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Bei Sinnen entscheiden / Entscheiden bevor es zu spät ist

Buldern. Viel Klarheit schaffen konnten vergangenen Mittwochabend Dr. Martin Olbrich und Rechtsanwalt und Notar Heinz-Martin Hesker bei ihrem Vortrag über Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Das Pfarrheim in Buldern war gut gefüllt, die rund 60 Interessierten waren aber nicht nur für allgemeine Informationen gekommen, viele hatten auch persönliche Fragen an die beiden Referenten.
Zuerst mussten Olbrich und Hesker klarstellen: Wenn jemand durch einen Unfall, Schlaganfall, eine Demenzerkrankung usw. nicht mehr bewusst handeln und entscheiden kann, tritt nicht automatisch der Ehepartner als Betreuer ein. Stattdessen wird von einem Vormundschaftsgericht ein Berufsbetreuer bestellt, der über den Patienten zu entscheiden hat. Ehepartner oder Familie haben kein Mitspracherecht. „Dies kann nur über eine Vorsorgevollmacht geregelt werden. In dieser lege ich für mich fest, wer mein Betreuer wird, wenn ich als Patient nicht mehr selber entscheiden kann“, macht Hesker deutlich. „Berufsbetreuer haben viele Nachteile, der größte ist wohl die Unpersönlichkeit. Denn der Betreuer kennt weder den Patienten, noch seine Familie, oft wird vom Schreibtisch aus entschieden. Zudem ist die Familie des Patienten hilflos und unter Umständen, je nach Kooperationsbereitschaft des Betreuers, auch tatenlos.“ Dies wäre im Falle einer Vorsorgevollmacht anders. Und noch einen Vorteil hat sie: „Sie kann im Sterbefall auch über den Tod hinausgehen. Die Familie kann also direkt nach der Beerdigung tätig werden und muss nicht bis zur Testamentseröffnung warten, die sich auch mal 8 bis 16 Wochen hinziehen kann“, fügt Hesker hinzu.
Auch eine Patientenverfügung legten Hesker und Olbrich den Interessierten ans Herz. „Diese klärt die Frage, wie ich behandelt werden möchte, wenn ich mich nicht mehr äußern kann. Der Arzt ist zur maximalen Behandlung verpflichtet. Doch in manchen Fällen ist diese keine Lebensverlängerung, sondern ein Verlängern des Sterbens“, mahnt Olbrich. „Doch selbst wenn ein Arzt dies feststellt, ist er zur weiteren Behandlung verpflichtet.“ Eine alleinige Vorsorgevollmacht regelt nicht die medizinische Versorgung.
Ermöglicht wurde der Abend von der Kolpingsfamilie Buldern, die Olbrich und Hesker einlud.

Infokasten:
Form der Vorsorgevollmacht
- Es ist die Schriftform zu wählen.
- Die eigenhändige Unterschrift des Vollmachtgebers sollte beglaubigt werden.
- Wenn eine Vollmacht beurkundet wird, muss sich ein Notar einen Eindruck von der

Geschäftsfähigkeit des Vollmachtgebers verschaffen.
- Die Vollmacht muss beurkundet werden, wenn sie sich auch auf Grundstücksgeschäfte
  einschließlich deren Belastung, sowie Vertretung in Firmenangelegenheiten bezieht.
- Es können auch zwei oder mehr Personen bevollmächtigt werden.

Infokasten: Was regelt eine Patientenverfügung?
- Den Verzicht auf lebensverlängernde sowie lebenserhaltende Maßnahmen
- Tritt erst in Kraft, wenn Patient seinen Willen nicht mehr bilden oder verständlich äußern
  kann
- Vorsorgevollmacht ohne Patientenverfügung regelt nicht die medizinische Versorgung,
  dies geschieht erst durch die Verfügung
- Sie ist eine Anordnung an Ärzte und Pflegekräfte, ein Nicht-Einhalten ist Körperverletzung
  und somit strafbar.

 
 
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Kontakt

Helmut Tissen

02590 4490

helmut_tissen@web.de

 
 
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